Anthropic hat am 30. Juni sein größtes Produkt des Tages vorgestellt: Claude Science, eine Desktop-KI-Werkbank für Wissenschaftler. Kein Paper, kein Modell – eine echte macOS/Linux-App. Sie erreichte 391 Punkte auf Hacker News und wurde in der Tech- und Pharma-Presse aufgegriffen.
Was es eigentlich ist
Man kann es als Forschungs-Cockpit bezeichnen. Ein koordinierender Agent sitzt über 60+ kuratierten Fähigkeiten und Connectors – Genomik, Single-Cell, Proteomik, Strukturbiologie, Cheminformatik – und rendert nativ 3D-Proteinstrukturen, Genome-Browser-Spuren und chemische Strukturen direkt in der App. Sie binden Ihre eigenen Datenbanken und Rechenressourcen ein, und er führt den gesamten Workflow von der Literatur bis zu veröffentlichbaren Abbildungen aus.
Warum es wichtig ist
Der eigentliche Knackpunkt ist die Reproduzierbarkeit. Jede Abbildung wird mit dem genauen Code, der Laufzeit, leicht verständlichen Anmerkungen und dem vollständigen Chat-Verlauf geliefert, der sie erzeugt hat – sodass man sie Monate später prüfen und erneut ausführen kann. Kein neues Modell hier; es ist Claude Opus 4.8 im Kern, derselbe Zugriff, den jeder hat.
Dario Amodei leitete den Launch und zielte eindeutig auf die Wirkstoffforschung. Anthropic finanziert außerdem 50 AI-for-Science-Projekte mit jeweils bis zu 30 000 $ an Credits, Bewerbungen sind bis zum 15. Juli möglich. Die Wette ist clever: Der wissenschaftliche Vorteil liegt nicht in einem intelligenteren Modell, sondern im Workflow darum herum.